Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Roller zur Arbeit. Sie halten sich strikt an die geltenden Regeln, doch der Verkehr um Sie herum rast – und Sie werden zum gefährlichen Hindernis. Die aktuelle Debatte um die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit für 50-ccm-Kleinkrafträder von 45 km/h auf 60 km/h ist längst kein technisches Detail mehr. Sie ist ein sicherheitspolitisches Armutszeugnis der Bundesregierung.
Das 45-km/h-Dilemma: Ein Relikt als Sicherheitsrisiko
Seit der EU-weiten Harmonisierung im Jahr 2002 sind Kleinkrafträder der Klasse AM auf 45 km/h gedrosselt. Was damals am grünen Tisch entschieden wurde, hat sich in der Realität als brandgefährlich erwiesen. In einer Welt, in der der innerstädtische Verkehr flüssiger geworden ist, wirken 45 km/h wie eine künstliche Bremse.
Die Folge? Autofahrer und LKW-Fahrer sehen sich gezwungen, riskante Überholmanöver durchzuführen, um an den „Schleichern“ vorbeizukommen. Diese Situation erzeugt täglich Stress auf den Straßen und provoziert Unfälle, die bei einer Anpassung an den Verkehrsfluss – also etwa 60 km/h – vermeidbar wären.
Die Blockadehaltung der Politik
Besonders frustrierend ist das Agieren der Bundesregierung. Während die Verkehrspolitik ständig von „Verkehrswende“ und „effizienter Mobilität“ spricht, wird eine naheliegende, kostengünstige und sofort umsetzbare Lösung blockiert. Das Standardargument der Politik: Die EU-Vorgaben seien in Stein gemeißelt. Doch das ist in weiten Teilen eine bequeme Ausrede.
Wenn Länder wie die ehemalige DDR gezeigt haben, dass 60 km/h im Stadtverkehr problemlos und sicher funktionieren, warum weigert sich das Verkehrsministerium dann so hartnäckig, eine Lösung im Rahmen der geltenden Ausnahmeregelungen zu finden? Die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer wird hier dem bürokratischen Erhalt des Status quo untergeordnet.
Handeln statt Zusehen: Der Status der Petitionen
Der Frust in der Community ist riesig. Zwar wurde eine große Petition im Juli 2025 offiziell vom Petitionsausschuss des Bundestages abgelehnt – mit Verweis auf europäische Richtlinien –, doch der Kampf ist nicht vorbei. Aktuelle Bestrebungen finden sich regelmäßig auf Plattformen wie openPetition. Auch wenn momentan keine Petition mit Millionen-Reichweite aktiv ist, gilt: Lokale Initiativen und politische Vorstöße in Landesparlamenten halten das Thema am Leben.
Sicherheit geht vor Bürokratie
Es ist Zeit, dass die Regierung die 45-km/h-Grenze kritisch hinterfragt. Statt an einem veralteten Limit festzuhalten, das Rollerfahrer zur Zielscheibe macht, sollte die Verkehrssicherheit durch ein „Mitschwimmen“ im Verkehr gefördert werden. Solange sich hier nichts bewegt, bleibt der Roller ein Verkehrsmittel zweiter Klasse – und das Risiko auf unseren Straßen unnötig hoch.
Bild von Trinity_Elektroroller auf Pixabay



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